Qualtinger und Bronner: Krügerl vorm Gsicht

14. Mai 2015 22:49
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In diesem Videomitschnitt tarnen die beiden Granden des Kabaretts Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner ihre bitterböse Gesellschaftskritik hinter der Fassade des traditionellen Wienerlieds. Zynisch zeigen sie auf, wie verbreitet und akzeptiert Alkoholmissbauch und die daraus entstehenden Folgen in weiten Teilen der Gesellschaft sind.

Etwas ins Schlucken gerät man dann, wenn man sich die Frage stellt, was sich in den mehr als 50 Jahren seit Entstehung dieser Aufnahme geändert hat.

Für die im Wienerischen Dialekt nicht ganz sattelfesten Zuseher hier der Text zum Mitlesen:

„Ein Spitzerl, a Schwipserl, a Räuscherl, a Schwamm,
ist unser tägliches Arbeitsprogramm.

Kurz nachm Krieg da war’s Lebn so mies,
da hab i g’soffen, damit i vergiß.
Jetzt gehts uns gut, schon seit längerer Zeit
da macht des Saufen erst richtig a Freud.

Es is scho längst da Rekord übertroffen bei uns,
fünf Milliarden werden jährlich versoffen bei uns.
Aber wir schaun uns dann unsre Regierung an,
die geht mit’m Beispiel voran.

Wolltens net selbst so viele B’soffene ham,
gäbe es fürs Saufen net so vü Reklam.
Drum hör i niemals auf, geht a mei Leber drauf
krieg i a Krankengeld, dass i ‚s versauf‘.

Ein Krügerl, a Glaserl, a Stamperl, a Trankerl
und dann fahr ma Automobü.
Dann scheib i wen nieder und der macht a Bankerl,
passieren kann uns eh net sehr vü.

Weil wenn ma uns kurz in den Häfn schickt,
a wenn scho, ‚s is a Kavaliersdelikt.

Ein Spitzerl, a Schwipserl, a Räuscherl, a Schwüh,
man braucht zur Seeligkeit zwa, drei Promü.

Da Mensch braucht a Krügerl, a Glaserl, a Stamperl, a Schluckerl
…wann i dann mei Oide verblech,
dann freun se de Leit und sagn „Das is ein Schnuckerl“
weil b’soffn sein is ja so fesch.

Und kriag i a Kind und des wird a Krétin,
vü bleda als wir kann der a nimma sein.

[ Da echte Wiener geht net unter! ]

Ein Spitzerl, a Schwipserl, a Räuscherl, a Schweigal,
sonst fühl‘ ma uns nimmer mehr wohl.
Weil hab i erst des nötige Quantum do drin
dann merk i net was für a Trottl i bin;
drum brauch ma den Alkohol.“

Das Video stammt übrigens aus André Hellers Filmportät „Qualtinger“.

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