Georg Schramm – Krieg, Flüchtlinge und Finanzkapitalismus

20. Februar 2016 14:49
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Dieser Mitschnitt eines Kabarettabends zeigt den sehr deprimiert wirkendenden Georg Schramm in einem seiner – seit dessen „Rücktritt“ – wenigen öffentlichen Auftritte.

Merkels Reaktion auf die Flüchtlingskrise

Nach einem kurzen Abstecher zum „Inkassounternehmen der Superreichen“ (dem Internationalen Währungsfond) erklärt Georg Schramm eine der eigentlichen Ursachen für den seit 2015 anhaltenden Flüchtlingsstrom aus Syrien. Grund ist demnach NICHT die „Einladung“ von Angela Merkel – diese war nur eine Reaktion auf den ohnehin schon vor der Tür stehende Menge an hilfsbedürftigen Menschen. Eigentliche Ursache für einen Großteil der flüchtenden Menschen ist vielmehr, daß die UN im Juni 2015 die Hilfsgelder für Flüchtlingslager mehr als halbiert hat. Und dies trotz aller Warnungen von Experten.

Das Übel des modernen Finanzkapitalismus

Georg Schramm spannt dann den Bogen zu einem der reichsten Männer der Welt, dem US-Investor Warren Buffett. Schramms Feststellung, dass wir nicht in einer Zeit vieler kleiner Kriege leben, sondern uns stattdessen in einem einzigen, weltweiten Krieg befinden, untermauert er mit Buffetts Sicht auf den zentralen Konflikt unserer Zeit. Jenem Warren Buffett, der auch den Begriff der „finanziellen Massenvernichtungswaffen“ erfunden hat:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“. (Warren Buffet)

Und Schramm legt gleich nach – er analyisiert, wie dieser Klassenkampf seit den 80er Jahren geführt wird. Die eigentlich unmögliche Finanzierung von Eigenheimen für die untere Mittelschicht der USA diente möglicherweise tatsächlich nur dazu, den Verlust des Anschlusses an die obere Schicht zu verschleiern. Und selbst dabei haben die Finanzinstitute noch Gewinne gemacht…

Georg Schramm – frustriert und deprimiert

Georg Schramms Auftritt zeigt, daß er nichts von seiner Schärfe und Bitterkeit verloren hat. Allerdings zeigt er sich sehr deprimiert darüber, dass alles was er sagt und jemals sagte, schon von vielen vorher gesagt wurde. Alles ist bekannt, aber es passiert keine Verändung zum Guten. Dabei zitiert er sogar den ehemaligen Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher, der kurz vor seinem Tod enttäuscht feststellte, daß der eigentliche Feind Menschheit der moderne Finanzkapitalismus sei.

Und auch Heinrich Heine wird angeführt:

Hat man viel, so wird man bald
Noch viel mehr dazu bekommen.
Wer nur wenig hat, dem wird
Auch das Wenige genommen.
Wenn du aber gar nichts hast,
Ach, so lasse dich begraben –
Denn ein Recht zum Leben, Lump,
Haben nur die etwas haben.

Letztendlich tritt Georg Schramm frustriert mit einem Zitat von Adorno ab:

Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils

Das Video ist im Februar 2016 anläßlich der Feier zum 50-jährigen Jubiläum des Unterhaus Mainz entstanden.

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