„Ringswandl Frankfurter Buchmesse 2013 1“ von Lesekreis - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ringswandl_Frankfurter_Buchmesse_2013_1.JPG#/media/File:Ringswandl_Frankfurter_Buchmesse_2013_1.JPG

„Ringswandl Frankfurter Buchmesse 2013 1“ von Lesekreis – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC0 über Wikimedia Commons

Seine Karriere war Georg Ringsgwandl nicht in die Wiege gelegt. Nicht die als Arzt und schon gar nicht die künstlerische. 1948 kommt er in einem ärmlichen Stadtteil des oberbayrischen Bad Reichenhall auf die Welt. Sein Vater ist ein kriegsversehrter Postbote, seine Mutter Hausfrau. Ringsgwandls Vater ist nicht nur körperlich, sondern auch seelisch ein Verletzter. Obwohl er nicht ohne Feinsinn ist – er hat malerisches Talent – schlägt er seinen Sohn. Dieser macht sich stark, lernt Ringen, um sich gegen seinen Vater wehren zu können. Und er entdeckt ein eigenes Talent: Die Musik. Sein erstes Geld verdient er sich mit Zitherspielen. Später sattelt er auf die Posaune um. Aber 1967 erkrankt der schlaksige, junge Mann an Lungentuberkulose. Von da an ist es aus mit der Posaune – statt dessen bringt er sich während eines mehrmonatigen Sanatoriumsaufenthalts selbst das Gitarrenspielen bei.

Doch Musik bleibt zunächst eine Nebenbeschäftigung für ihn. Nach der Schule beginnt er, Medizin zu studieren. Schon das kommt seinen Eltern fast wie Größenwahn vor. Obwohl Bildung im Hause Ringsgwandl stets gefördert wurde und als Ausweg aus der Armut galt, schwebte seinen Eltern eher etwas wie gehobener Beamtendienst bei der Post vor. Nichtsdestotrotz arbeitete Ringsgwandl nach Abschluss seines Studiums erfolgreich als Arzt, zunächst als Assistenzarzt am Klinikum Großhadern in München, ab 1984 als Oberarzt der Kardiologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Nebenher tritt er immer wieder bei Konzerten auf, zunächst als Gast beim Bluesmusiker Willy Michel, später mit dem ersten eigenen Programm: Gurkenkönigs Hausfrauenshow.

1993 gibt er schließlich den Arztberuf völlig zu Gunsten seiner künstlerischen Tätigkeit auf. Zu diesem Zeitpunkt hat er sich bereits einige Bekanntheit und wichtige Preise erspielt: 1987 erhielt der den „Salzburger Stier“, 1988 den „Deutschen Kleinkunstpreis“. Trotzdem war es für den Familienvater ein gewagter Schritt, das sichere Einkommen, dass ihm sein bürgerlicher Beruf gewährte, gegen die freie Künstlerexistenz zu tauschen. Aber er musste es tun, denn obwohl er den Arztberuf gerne ausgeübt hatte, hatte er das Gefühl, als Arzt vieles zu verpassen. Und in gewisser Weise ist er dem Arztdasein treu geblieben, denn mit seinen teils schrillen, teils zynisch-düsteren Bühnenauftritten stellt er bis heute Diagnosen, allerdings für gesellschaftliche Befindlichkeiten.

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Georg Ringsgwandl