Christoph Sieber: Letzte Mahnung

13. September 2015 0:27
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In diesem kurzen Ausschnitt aus seinem Programm „Alles ist nie genug!“, das 2013 im Rahmen des 3satfestivals aufgezeichnet wurde, rechnet der Kabarettist Christoph Sieber zunächst mit dem deutschen Volk ab. So karikiert er beispielsweise den Wandel des „typischen Deutschen“ weg vom ewigen Nörgler und Jammerer hin zum Vorbild für alle Europäer. Der neue Deutsche, der alles positiv sieht, z.B. die moderne Form des sozialen Ausgleichs: Die Jungen saufen so viel, dass die Alten vom Pfand der aus dem Mülleimer aufgesammelten Flaschen leben können.

Christoph Sieber reibt sich aber auch an der Gute-Laune-Demokratie in Deutschland – die Regierungen mögen schlecht sein, das Volk ist aber noch viel schlimmer! Sieber spricht auch Klartext, was seine Sicht auf die deutsche Politik betrifft: Statt Probleme anzugehen werden nur Beruhigungspillen ans Volk verteilt – statt Altersarmut zu bekämpfen macht die Regierung dem Volk lieber Toastbrot und Scheiblettenkäse schmackhaft. Im Fernsehen laufen keine relevanten, zum Nachdenken anregenden Sendungen mehr, dafür findet alle zwei Jahre ein sportliches Großereignis statt (für den kollektiven Freudentaumel). Und um dem Volk das Gefühl zu geben, dass es auch mitbestimmen darf, werden alle vier Jahre sogar Wahlen abgehalten.

Richtig ernst wird es aber dann, wenn Christoph Sieber über die ungleiche Verteilung des Wohlstands spricht. Wenn er zynisch feststellt, dass die Würde des Menschen eben doch nicht unantastbar, sondern abhängig vom Geldbeutel sei. Und wenn er dann in weiser Voraussicht bereits im Herbst 2013 eine Flüchtlingswelle vorhersagt, „weil wir viel zu lange an der Ruhe und Beruhigung festgehalten haben“. Auch wenn die Situation im Nahen Osten zu dieser Zeit so nicht vorhersagbar war hat Sieber aber bereits erkannt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Europa nicht folgenlos bleiben kann. So sieht er dann letztendlich auch das Kartenhaus „Solidargemeinschaft“ einstürzen.

Siebers Auftritt ist zwar durchaus unterhaltsam und komisch – aber angesichts der aktuellen Entwicklung bleibt einem jedoch durchaus das Lachen im Halse stecken. Und genau so muß sich (gesellschafts-)politisches Kabarett anfühlen!

Christoph Sieber wurde übrigens in diesem Jahr (2015) mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet. Wie man sieht, völlig zurecht!

 

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